Mission Statement

Humor ist ein phantastisches Mittel um Widersprüche sichtbar zu machen und eigene Erfahrungen in einer postmigrantischen Gesellschaft zu thematisieren. 

Lachend lassen sich die oft verborgenen Spielregeln einer Gesellschaft ans Licht bringen, vielleicht sogar ändern oder aber bestätigen - je nach Richtung und Art der Komik. Klischees und Stereotype sind das tägliche Brot von Humorist_innen, denn die allermeisten Witze setzen feste Bilder vom Eigenen und Fremden voraus. So bezieht sich Humor auf gesellschaftliche Machtverhältnisse und kann diese hinterfragen oder eben dazu beitragen, diese aufrechtzuerhalten. Das Verhältnis von Humor und Rassismus ist also äusserst ambivalent – gerade in der Migrationsgesellschaft.

Da ist es grossartig, dass sich in den letzten Jahren immer mehr junge Second@s, wie z. B. Bendrit oder Baba Uslender, durch Comedy zu Wort melden. Unzeitgemäss hingegen scheint, dass  Institutionen wie das Fernsehen weiterhin mit den Mitteln der Komik daran arbeiten, die Linie zu ziehen zwischen „uns“ und „denen“. Die beliebten SRF-Kunstfiguren Rajiv Prasad („Viktors Spätprogramm“) oder Mergim Muzzafer (Giacobbo & Müller“), die altbekannten „Italienerwitze“, die von Alexander Tschäppätt im Sommer 2014 recycelt wurden, oder die Debatte über die Blackfacing-Figur „Frau Mgubi“ des SRF zeigen, wie hartnäckig sich das National-Andere  im Zentrum hiesiger Humorproduktion hält - und dass der hiesige Humordiskursbewusst an der gesellschaftlichen Realität vorbei geführt wird. Auch in der Schweiz setzt sich der Trend «Migrant_innen» auf die Comedy-Bühnen zu holen durch, allzu oft aber in der Rolle des 'harmlosen Anderen'.

Humorkritiker_innen hoben insbesondere im Zusammenhang mit dem „Täschligate-Sketch“ ihre Stimme und wurden schnell selbst ins Lächerliche gezogen oder als Feind_innen der Meinungsfreiheit beschimpft. „Versteht doch für ein Mal Spass!“ hiess es. Hier zeigt  sich deutlich, wer die Regel vorgibt und wer dankbar sein sollte, mitspielen zu dürfen.

Die vorsichtige Bitte, auf rassistische Kränkungen im Humor zu verzichten, wird oft  als Generalangriff auf das Eigene ausgelegt. Etablierte Köpfe wie Andreas Thiel inszenieren sich dann als Befreier des Lachens und der unterdrückten Meinungen. Sie sehen sich im Kampf gegen die angeblich allgegenwärtige Political Correctness  – nur zu oft im Namen der hiesigen Demokratie.

Wir fragen uns, welche Freiheiten braucht das Lachen, welche Freiheiten ermöglicht Humor? Müssen, wollen, dürfen wir über alles Lachen? Vor allem aber: Wo liegen die Potentiale eines gemeinsamen postmigrantischen Lachens?

Auf unser Festival haben wir Künstler_innen eingeladen, die auf sehr verschiedene Arten und Weisen komisch sind und unterschiedlich mit der eigenen Erfahrung als Inländer oder Ausländer, ausländische Inländer oder inländische Oberländer umgehen, aber alle auf diese positive Kraft des Lachens setzen. Wir freuen uns sehr, uns von ihnen verunsichern zu lassen, gerade weil uns hie und da ein Lachen im Halse stecken bleiben wird. Es gibt ja ausreichend Gelegenheit mit ihnen darüber zu sprechen, warum welcher Witz zu wem passt, und auch darüber zu diskutieren, ob es in einer demokratischen Gesellschaft tatsächlich den totalen Humor braucht.

Kontakt/Impressum

Verein zur Förderung rassismuskritischer Öffentlichkeiten 
c/o S. Jashari 
Dialogweg 3 
8050 Zürich
E-Mail:

Projektleitung: Geesa Tuch

Projektkonzept: Shpresa Jashari, Rohit Jain, Geesa Tuch, in enger Zusammenarbeit mit Katharina Morawek (kuratorische Leitung/Geschäftsleitung Shedhalle)

Programmation "Laugh against the machine": Fatima‍ Moumouni

Videos: Guido Henseler

Website: Juri von Krause‍